Ovationen / Das "Schrittmacher-Festival" feierte mit der faszinierenden Kompanie "ms Tanzwerk" seinen krönenden Abschluss

Bejubelter Abschluss des "Schrittmacher"-Festivals: Die Protagonistinnen von "MS-TANZWERK" sorgten für ein furioses Finale.Aachen. Programmdirektor Rick Takvorian, Veranstaltungsmanager des Ludwig-Forums und der Stadt, hat es wieder einmal geschafft. Er präsentierte sechs Kompanien beim faszinierenden Schrittmacher-Festival - und einem krönenden Abschluss mit der bereits 2003 in Aachen begeisternden Kompanie "ms Tanzwerk". Das 11. Festival fand erstmals in komprimierterer Form statt, dafür stimmte aber die Qualität auf der ganzen Linie. Ob träumerisch, ob provokant, laut oder nachdenklich - für jeden Tanzfan gab es den richtigen Beitrag. Die minutenlangen begeisterten Ovationen im wie immer ausverkauften "space" des Forums unterstrichen: Mit der deutsch-schweizerischen Gruppe "ms Tanzwerk" hatte Takvorian auch diesmal wieder das richtige Händchen bewiesen."Mental Maps & Patterns" dreht sich dabei um kognitive (Land-)Karten, mit denen der Mensch versucht, Ordnung im Denken und Handeln zu erlangen. Weniger geografisch, eher biografisch setzten die fünf Tänzerinnen dabei ein Netz aus Erinnerungen und Emotionen in faszinierende Bewegungsmuster um. Unter der künstlerischen Leitung von Mario und Sophie Heinemann Jaillet offenbarte sich in der 80-minütigen Choreografie eine Struktur aus neun "Pattern" (Mustern), die die Annährung an eine Vorstellung des Begriffs "Heimat" wagten. Die Szenerie war zunächst bedrückend und okkult angehaucht. Ein nackter Körper wird (schul-)uniformiert, lange weiße Stoffbahnen bilden einen Rahmen um die Bühne. Darauf erkennbar ist eine Mischung aus Wappen und Stigma: der Grundriss eines Gefängnisbaus. Und immer wieder gibt es ein beeindruckendes Spiel mit Lichteffekten, Videoprojektionen und Musiksequenzen. Der immer wieder überraschende Wechsel zwischen humoristischen Parts - hier vor allem die immer wiederkehrenden kleinen Exkurse im so genannten "Dog Dancing" von Nicole Gärtner und ihrem Hund "Fly" - lockerte beim Betrachter mit so manchem Schmunzeln die anfänglich so düstere Szene auf. Wege, Grenzlinien und Brennpunkte werden in dem stark expressiven und emotionalen Tanz visuell. Vom beginnenden melancholischen Grundton geht das Spiel um eine ruhende Mitte letztlich in ein buntes Blumenmeer über, mit dem die Protagonistinnen nicht nur mit ihren Kleidern ihre Zwänge ablegen, sondern auch das "Einswerden" mit ihrer Vorstellung von "Heimat" erreichen. Eine absolut überzeugende Darbietung mit hoher Präzision, die wieder einmal Lust auf mehr machte. Und da lässt Takvorian keinen Zweifel: Auch 2007 wird es natürlich mit Schrittmacher" weitergehen...

Anja Wassong

Quelle: Aachener Zeitung
Photos: Günter Krämmer

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